Mit einer falschen Nummer fing es an, mitten in der Nacht läutete das Telefon dreimal, und die Stimme am anderen Ende fragte nach jemandem, der er nicht war. Viel später, als er in der Lage war, darüber nachzudenken, was mit ihm geschah, sollte er zu dem Schluss kommen, nichts ist wirklich außer dem Zufall. Aber das war viel später. Am Anfang waren einfach nur das Ereignis und seine Folgen. – von Seite 1.
Bin fasziniert von dem Buch Stadt aus Glas. Geschickt lockt Paul Auster den Leser in diese oder jene Richtung und lässt ihn immer in Hoffnung, doch noch die Zusammenhänge zu begreifen (alles kann etwas bedeuten), nur um im nächste Moment die Konstruktion wie eine Seifenblase platzen zu lassen und eine andere Richtung zu verfolgen. Ich bin dennoch gerne in diese Falle getappt und habe versucht das ganze ansatzweise zu strukturieren.
Alle Worte waren mir vertraut, und dennoch schienen sie auf eine seltsame Weise zusammengesetzt worden zu sein, so als wäre es ihr Endzweck sich gegenseitig aufzuheben. Ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken soll. Jeder Satz löschte den vorausgegangenen aus, jeder Abschnitt machte den nächsten Abschnitt möglich.
Habe den dritten und letzten Teil der New York-Trilogie gelesen und es endet mit einem Buch im Buch, das alle Fragen zu klären vermag, dem Leser aber vorenthalten wird. Grausamer noch: der Protagonist vernichtet es Seite für Seite.
Ich liebe diese Millionen von Verknüpfungen auf engstem Raum, das Kartenhaus aus Zusammenhängen, immer waghalsiger, das Detektivspiel dem ich mich als Leser nicht entziehen kann, das jedem belanglosen Satz unendlich viel Bedeutung verleiht und das Ganzen dann doch als Nichtigkeit entlarvt.
nochmal das Schaubild auf Englisch
(erstmals veröffentlicht 20050220 bzw. 20070530)
— Kommentare
Matthias hat gesagt… Interessantes Schema. Hab das Buch auch gerade gelesen – gestern aus der Hand gelegt – und grübele noch über den tieferen Sinn. Kann es nicht einfach sein, dass sich der Autor einen Spaß machen wollte und er wilde Interpretationsübung für Leistungskurse oder Anglistik-Seminare schaffen wollte? ![]()
Freitag, 07 Dezember, 2007
traui hat gesagt… Kann sein. Wäre noch die angenehmste Interpretation.Ich vermute er sieht es eher als Sinnbild für das Leben an sich. Ist ja nicht umsonst Klasiker der postmodernen Literatur geworden …Danke fürs Feedback.
Freitag, 07 Dezember, 2007
Marius hat gesagt… Gerade diese Verstrickungen und Identitäten machen “Stadt aus Glas” so lesenswert. (Die Idee mit der “Interpretionsübung” finde ich amusant…) Am Ende des Buches weiß man selbst als Leser nicht mehr wirklich, was vor sich geht. Paul Auster (der Autor) hat es wirklich geschafft, den Leser so zu reizen, dass dieser fast auch schon Bestandteil der Geschichte wird… Vielleicht kann man noch “den Rezipienten” in dieses Struktur irgendwie verankern… ![]()
Samstag, 22 Dezember, 2007
Buchi hat gesagt… Stimme dir voll und ganz zu, Auster hats schon ziemlich drauf alles miteinader zu verknüpfen, genau deshalb schreib ich auch meine Facharbeit über city of glas! Aber leider hab ich mich glaub ich en bisschen überschätzt und bin jetzt mit der Interpretation doch ein klein wenig überfordert und woltte mal fragen , ob du viellecht Links oder eigene Interpretations- ansätzte hast/kennst? Das wär echt stark! Mit freundlichen Grüßen Buchi
Sonntag, 06 Januar, 2008
traui hat gesagt… Buchi, sorry, da kann ich Dir leider nicht echt helfen. Ich habe das Buch einfach nur gelesen … und das ohne dass mich die Schule dazu gezwungen hatte ![]()
Sonntag, 06 Januar, 2008
Josef Åkebrand… hat gesagt… Lustig, dieser Thread ist zwar schon ewig alt, aber ich dachte, ich sollte mal zur Info anmerken, dass ich im letzten Semester tatsächlich eine “Interpretationsübung” im Fach Amerikanistik hinter mich gebracht habe (Titel: The American Adam in City of Glass). Jetzt im Moment sitze ich gerade an der entsprechenden Hausarbeit – ich bin dir also für das hilfreiche Schaubild (absolut richtig zusammengestellt) äußerst dankbar! ![]()
Montag, 01 September, 2008
Anonym hat gesagt… Auch ich schreibe gerade eine hausarbeit über city of glass und find das schaubild super
Aber eine anmerkung: was peter stillman sen. da erzählt, würde ich nicht als sinnlose theorien bezeichnen, er geht auf verschiedene erkenntnistheoretische und sprachphilosophische probleme ein und zitiert dabei eine menge renommierter philosophen. Ich fand diesen teil beinahe am spannendsten… thx und viele grüße!
Montag, 09 Februar, 2009
Bernadette hat gesagt… Ich versuchte gar nicht, in diesem Verwirrspiel an Identitäten drauszukommen. Alles ist so … oder anders. Was wissen wir schon! Ist ein zerbrochenes Ei noch ein Ei? Was wird aus einer Identität, wenn sie zerfällt? Nun, so weit, dass uns ein heiles Ei nährt, sind wir noch nicht.
Freitag, 12 Februar, 2010

